Blogs können neben einer Achivfunktion auch eine Reflexionsfunktion haben (Döring N., Psychologie Heute, Aug. 2005).
Bloggen ist öffentliches Schreiben und zwingt im Vergleich zum Sprechen zu einer stärkeren Organisation der Ideen, zu gründlicherem Nachdenken und sorgfältigerem Formulieren. Die Argumentation sollte nachvollziehbar und stimmig sein. Im Unterschied zu privaten Notizen, sollten die eigenen Gedanken organisiert und nachhaltig verfasst werden.
Unter Umständen kann dies ein nützlicher Beitrag zur Identitätsentwicklung sein. Die Autorin denkt vor allem an Teenager und an Menschen, deren Identität geschwächt ist; sei dies aufgrund ihrer sozialen Lage, ihrer religiösen Gesinnung, sexuellen Vorlieben oder gesundheitlichen Verfassung. So kann der Selbstwert durch eine eigene Stimme im Blog gestärkt werden.
Aus meiner Erfahrung kann Schreiben tatsächlich differenziertes Denken sein. Ich finde es auch wichig, dass jeder Mensch via Blog ein Sprachrohr hat. Aus meiner Sicht hängt es wahrscheinlich von vielen Faktoren ab, ob Blog-Beiträge zur Entwicklung eines Menschen beitragen: unter anderem von seiner Persönlichkeit, vom Thema, vom Informationsgehalt, ob die Zeit reif ist u.a.m. Auf einen brisanten Beitrag könnten unter Umständen auch heftige und vernichtende Kommentare folgen oder ein Mensch der sich mit seinem Anderssein outet könnte von der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Etwas weniger tragisch ist da z.B. ein Blog zum Thema “Rauchen“.
Jede bzw. jeder muss schliesslich eigenverantwortlich entscheiden, ob und wie weit Bloggen ein Weg zur eigenen Selbstreflexion ist.
hallo nicole
ich habe auch schon ein paarmal über das thema bloggen nachgedacht. ich bin gedanklich hin und hergerissen, ob bloggen nur eigenwert besitzt oder irgendeinen mehrwert hat? wenn wir in berufspädagogik nicht aufgrund unserer “rubrics” dazu angehalten wären auch die anderen blogs zu “lesen”, dann würde ich mal davon ausgehen, dass wir das “freiwillig” kaum machen würden. andererseits erlebe ich durch die anderen blogs einen mehwert, indem ich automatisch nochmals die sitzung aufarbeite. ansonsten lese ich aber kaum anderer leute blogs. auch rebell.tv verfolge ich seit dem bua ikt nicht mehr. es ist ein überinformationsangebot an dem ich aus zeitgründen nicht teilnehmen kann und irgendwo nicht will.
bloggen hat doch stark etwas mit dem klassischen tagebuch zu tun, ausser das nicht das kleine “goldene schloss” dranhängt, sondern der text einer grossen gemeinde “offen” liegt. sicher ist auch hier die spanne zwischen sinnvollen und fragwürdigen blogs riesengross. sinnvoll, eben, wenn man seinen prozess zum “nichtraucher” reflektiert, absolut fragwürdig meines erachtens, wenn man auf seinem anorexie-blog den magersuchtwahn kultiviert.
schöne zeit und grüsse frauke
Kommentar von frauke — November 19, 2007 @ 7:01 |