Bloggen ist nicht nur eine rationale Angelegenheit, sondern hat auch eine emotionale Seite. Nicola Döring (Psychologie Heute, August 2005, 36-39) spricht gar von einer „Ventilfunktion“.
Menschen können ihre Erfahrungen und ihr Erleben mit allen Hochs und Tiefs in Blogs ausdrücken und verarbeiten. Sie können mit Freud und Leid aus ihrem stillen Kämmerlein treten und ihre Situation kommunizieren. Einige Bloggerinnen bzw. Blogger pflegen ihre Probleme selbstironisch darzustellen, im Sinne von „Je grösser die Katastrophe, umso besser die Story“ . So befasst sich z.B. die Betreiberin www.lyssas-lounge.de mit Alltagserfahrungen und Geschichten wie sie das Leben schreibt.
Im Unterschied zum herkömmlichen Tagebuch gibt es beim öffentlichen Online-Tagebuch Kommentare der Leserschaft. Diese können einerseits unterstützend, andererseits auch kritisch sein. Selbstmitleid, eine passive Opferhaltung oder einseitige Schuldzuweisungen an andere werden entsprechend kommentiert.
Ich denke, dass Bloggen gerade für Menschen auf der Schattenseite unserer Gesellschaft, für Minderheiten und Randgruppen ein wichtiges und hilfreiches Sprachrohr sein könnte. Diese Menschen müssten sich vermehrt einen Zungang zum Internet leisten können und für den schriftlichen Ausdruck geschult werden. Ihre Stimmen zu hören wäre auch für alle auf der Sonnenseite ein wichtiges Feedback zur gesellschaftlichen Situation. Der Umgang mit ihnen macht ein Stück weit die Visitenkarte einer Gesellschaft aus.